Firma 1912 Quelle Fox auf 78 Heft 23Firma Friedrich Graumann, Iserlohn
Die Anfänge der Metallverarbeitung lassen sich im Sauerland urkundlich im 13.Jahrhundert nachweisen. Um 1800 bildeten die Städte Iserlohn, Altena und Lüdenscheid das größte Industriegebiet der damaligen Welt; Iserlohn war das Zentrum der Nadel Industrie. Im Jahre 1904 gründeten die Brüder Karl und Paul Graumann gemeinsam die Drahtwarenfabrik Gebrüder Graumann, Sundwig. Der dritte Bruder, Friedrich, betrieb von Anfang an ein unabhängiges Unternehmen für die Fabrikation von Grammophonstiften im benachbarten Iserlohn (Obere Mühle und Fürstenstraße, später Karnacksweg).
Friedrich Graumann beantragte 1913 den Schutz für eine besonders schöne mehrfarbige Dose seiner Hausmarke Verona-Nadeln: Auf einer Wiese vor einem Bauernhof spielt ein Mädchen auf der Geige, während auf einer Waldlichtung im Hintergrund zwei Rehe äsen. Das Warenzeichen wurde am 3.11.1913 unter der Nummer 183209 eingetragen und im Kaiserlichen Warenzeichenblatt sowie in der Phonographischen Zeitschrift bekanntgegeben.

Dieses Mädchen findet sich auch auf einem russischen Plattenlabel mit Namen Premier Record (eine ungarische Firma mit Sitz in Budapest Quelle ) Als die Produktion der Verona-Nadeln gerade richtig angelaufen war, erlitt das Geschäft mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges einen Rückschlag, von dem sich die Firma nie richtig erholen konnte. Zwar führte der Sohn Fritz den Betrieb bis etwa 1940 weiter, doch, stellten die amerikanischen Großimporteure (Firma Euler in New York) als Reaktion auf die Folgen der Machtübernahme Hitlers ihre Importe aus Deutschland ein, so dass die Firma schon zu Friedenszeiten in Liquidationsschwierigkeiten geriet. Das Markenzeichen wurde auf die Schwabacher Nadelfabrik Friedrich Reingruber übertragen, die in den Drei-S-Werken aufging. Dort wurden die Verona- und Extra-Nadeln weiter hergestellt
Die alten Fabrikräume am letzten Firmensitz in der Brausestraße 1 in Iserlohn werden heute von der Firma Brauke & Berkenhoff (Produktion von Silbergeschirr und anderen Metall waren) benutzt.

Von Nadel und Dosen von Rainer E. Lotz, Fox auf 78 Heft 3 <Asiehe auch Karl, Paul und Friedrich Graumann

Zu dem Artikel gehören auch die abgebildeten Dosen. Die Dose links oben ordne ich auf Grund des Logos mit den 2 Hirschen "Union" zu (siehe dort), für die Zuordnung der "Highly Refined Steel-Needles for Talking Machines" und "Vera" habe ich noch keinen Hinweis gefunden, so das diese Dosen mit dieser Aufschrift unter den Namen dort stehen bleiben. Aber vielleicht gibt es ja ein altes Prospekt oder so....

Ähnliche bzw. gleiche Motive gibt es auch unter Operaphon bzw. Extra Needles (siehe unten)


(Fox auf 78, Heft 5) Postscriptum:
Die folgenden ergänzenden Informationen zur Firma Friedrich Graumann (siehe Fox auf 78 - Heft 3) beruhen auf Aufzeichnungen des Heimatforschers Bindel (der nach dem 2.Weltkrieg umfangreiche Befragungen Iserlohner Firmen durchgeführt hat) sowie Auskünften von Frau Ute Graumann, der Tochter von Friedrich Graumann Jr. (Lit.1).
Demnach betrieb Friedrich Graumann (1872-1938) mit seinen Brüdern Carl und Paul die schon von seinem Vater seit 1856 betriebene Nadel-Schauermühle in Heppingersbach. Er trat aber 1898 aus, wurde Meister in der Nadelfabrik Wunderlich & Baukloh und gründete 1907 eine Nadelfabrik, in der er als Spezialität Grammophonnadeln herstellte. Nach seinem Tode 1938 übernahm sein Sohn Friedrich Graumann M (1903-1968) den Betrieb; er wurde zusammen mit seiner Mutter Inhaber, aber blieb bis zu seinem Tode alleiniger Betriebsleiter. Vor dem Krieg wurden rund 80% der Produktion exportiert, vor allem an sämtliche Märkte Europas, aber auch nach Britisch-lndien, Mittel- und Nordamerika etc.
Da die Produktion (Grammophonnadeln, Nähnadeln und Stifte für industrielle Zwecke) in den 30er Jahren fast ausschließlich auf selbsttätigen Maschinen erfolgte, belief sich die Belegschaft 1939 nur auf 15 Mann. Allerdings war der Betrieb vor Hitlers Machtergreifung wesentlich größer; da Friedrich Graumann kein Parteigenosse war, wurde er von der NSDAP in seinem Betrieb empfindlich gedrückt. Mit seinem Tode wurde die Firma 1968 liquidiert.