Drahtwarenfabrik Gebrüder Graumann, Sundwig (Fox auf 78, Heft 4)
Die von der Iserlohner Nadelfabrik Hanebeck im Jahre 1858 erbaute Schauermühle ging im Jahr 1904 in den Besitz der Söhne des Schaurermeisters Karl Graumann, Karl und Paul, über.
Asiehe auch Karl, Paul und Friedrich Graumann
In der Firma waren Karl für die Nagelfabrikation und Paul für die Nadelfabrikation zuständig. Die Grammophonstifte wurden unter der Markenbezeichnung Echo-Nadeln vertrieben. Als sich die Brüder im Jahre 1912 trennten, führte Karl die Firma als Gebrüder Graumann, Nadelfabrik weiter. Schon 1913 ließ er sich ein eindrucksvolles Firmenzeichen schützen, das fortan auch den Briefkopf schmücken sollte: Vor einer Ideallandschaft mit Symbolen des industriellen Zeitalters, einer Eisenbahn und einem Raddampfer, beschützen zwei aufrechte Hirsche sowie ein Adler den von einem Wappenband eingerahmten Wachsoldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr (Warenzeichenblatt,XXI,4 (April 1)1914, p. 1016). Das vereinfachte Motiv mit den zwei Hirschen ist auf vielen Dosen der Hinweis auf den Hersteller, die Nadelfabrik Gebrüder Graumann in Sundwig.
Die Herstellung von Grammophonnadeln wurde um 1905 begonnen - eher zufällig, als die bisher auf Nähnadeln spezialisierten Brüder in einem nahegelegenen Gasthof einen Sprechapparat sahen und in den nach jeder Schallplatte auszuwechselnden Grammophonstiften eine Marktlücke entdeckten. Seit Anfang 1906 inserierten die Brüder in Fachzeitschriften. Auf der Leipziger Herbstmesse 1908 stellten Gebr. Graumann außer gewöhnlichen Nadelsorten eine neue Form, die sog. Kurbel-Nadel, vor, "welcher eine besonders günstige Federung zur Unterdrückung des Nebengeräusches nachgesagt wird". Es ist heute nicht mehr bekannt, worum es sich bei dieser Messeneuheit gehandelt hat. Die Fachzeitschrift für die gesamte Sprechmaschinenindustrie Die Sprechmaschine berichtete über das Ergebnis der Herbstmesse 1908 wie folgt: "Sprechmaschinennadel -Fabrik Gebr. Graumann, Sundwig i.W., zeigten ihre vorzüglichen Sprechmaschinennadeln. Diese Firma steht in der Qualität ganz auf der Höhe der Zeit. Das Fabrikat wird zu ziemlich billigen Preisen abgegeben. Die Brauchbarkeit der Nadel ist aber unbestritten, und die in neuerer Zeit gebrachten Fassonnadeln haben die Freunde dieses Fabrikates ganz bedeutend vermehrt. Es wurden auch hier sehr günstige Abschlüsse gemacht". weiter siehe
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Neben der Hausmarke und neutralen Dosen wurden auch Dosen im Unterauftrag für andere Häuser hergestellt. Einer der wichtigsten Auftraggeber war das Klingsorwerk Krebs & Klenk in Hanau-Kesselstadt. Die Gebrüder Graumann stellten für diese Firma Klingsor-Nade!n her (wie übrigens auch die Schwabacher Nadelfabrik Fr. Reingruber in Schwabach). Das Klingsorwerk benötigte die Nadeln als Ergänzung der eigenen Fabrikation von Sprechmaschinen.
Im Jahre 1912, mit der Neuorganisation der Firma Gebrüder Graumann unter der alleinigen Verantwortung von Karl Graumann, ging der Auftrag für Klingsor aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen verloren. Dafür wurde als neues Markenfabrikat die Union - Dose (No.520) angeboten, später auch die Marke Imperial.
Im Jahre 1927 kam Sohn Otto Graumann in die Firma, wo er die Nadelfabrikation von der Pike auf lernte, so das er die Geschäfte noch vor dem Tode seines Vaters (1944) übernehmen konnte. Mit einer Belegschaft von durchschnittlich 25 Arbeitern wurde eine Tagesproduktion von etwa 2.5 Mio. Nadeln geschafft.
Fast die gesamte Produktion war für den Auslandsmarkt bestimmt, so dass es die Dosen mit Beschriftungen in meist englischer oder spanischer Sprache gibt - lediglich eine Tagesproduktion pro Jahr war ausreichend für den Inlandsbedarf. Ein besonders attraktiver Markt war Südamerika. Ein guter Abnehmer war auch die Musikinstrumenten-Firma Matthias Hohner in Trossingen mit ihren weltweiten Verbindungen. Als Verpackung dienten sowohl Papierbriefchen als auch Dosen, einschließlich Dreiecks- und Glasdeckel-Dosen. Diese Dosen wurden fast ausschließlich über die Vereinigten Grabe & Schräger-Werke in Sachsen (Zwickau, Meissen) bezogen.
Mit dem Beginn des 2. Weltkrieges wurde die Firma abrupt von ihren traditionellen Märkten abgeschnitten. Bis 1940 wurde noch nach Schweden und Bulgarien exportiert, dann wurde der Stahl für die Rüstungsproduktion kontingentiert.
Seit dem Krieg hat sich die Firma ausschließlich auf Nägel spezialisiert. Mit dem Tode von Otto Graumann im Jahre 1983 übernahm dessen Sohn Karl-Otto als gelernter Kaufmann die Geschäftsführung und setzt in der dritten Generation die Familientradition fort. Rund 100 verschiedene Sorten Nägel werden heute hergestellt - pro Tag etwa 3 bis 5 Tonnen.