Die abgebildete Anzeige erschien im Jahr 1929Zu den ansprechendsten und daher unter Sammlern besonders beliebten Blechdosen gehören diejenigen der Firma Sem. Auf den Dosen steht zumeist der Vermerk "Made in Czechoslovakia". Sie wurden nur über einen relativ kurzen Zeitraum von etwa 10 Jahren in Böhmen hergestellt und waren in erster Linie für den Inlandsmarkt bestimmt. Allerdings bemühte sich die Firma auch um den Export, einige Dosen und auch die Beipackzettel wurden auf englisch, spanisch und französisch beschriftet.

Die Firma wurde 1881 von Simon Semler in Pilsen begründet. Im Jahre 1921 firmierte der Betrieb als Holz- und Kohlengroßhandel, aber ein wichtiger Geschäftsbereich waren bereits Haushaltswaren und Schaufeln. Im Laufe der Zwanziger Jahre veränderte sich der Schwerpunkt mehr und mehr in Richtung Eisenwarenhandel. Etwa gegen Ende des Jahrzehnts wurde die "S. Semler Nadelfabrik" gegründet. Schon bald wurden Sem-Nadeln für Sprechmaschinen ein wichtiger Produktionszweig. Zur Förderung des Absatzes verpflichtete die Firma einen ganz vorzüglichen Werbegraphiker, dessen Identität leider bisher ungeklärt ist.
Um 1931 übernahmen die zwei Söhne Hugo und Oskar Semler den Betrieb, Name und Sitz der Firma blieben jedoch unverändert: Plzen, Trida ces.legionaru 19. Das Firmensignet ist auf fast allen Dosen abgedruckt - ein großes "S" mit darin eingeschlossenen kleinen Buchstaben "S" und "P": SSP für Simon Semler, Pilsen. Auch auf den Nadeln selbst ist, nach dem Vorbild des deutschen Marktführers "3-S", die Buchstabenkombination "S-E-M" eingeprägt.
Der Firmenzweck wurde Anfang der Dreißiger Jahre wie .folgt beschrieben: "Holzabteilung und Eisenwarenabteilung - Drahtwarenfabrik und Fabrik für Nadelwaren (einschließlich Grammophonnadeln)". Das Pilsener Stadt-Archiv vermerkt im Jahr 1938: "Eisenwaren, Nägel aller Art, Felgen für Motorräder, Einzelteile für Regenschirme, Büroklammern, Sprechmaschinennadeln, Haushaltartikel."
Ein Jahr später, kurz nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in der Tschechoslowakei, erlosch die Firma Semler. Es muss vermutet werden, dass die Familie Semler jüdischer Abstammung war. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Die Fabrik produzierte vermutlich weiterhin Nadeln für die Schallplattenfirma ESTA. (Quelle: Rainer E. Lotz Von Nadeln und Dosen Folge 1 "SEM"; Fox auf 78, Heft 1)