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Seit
2000 Jahren - seit den Kelten und Römern - ist der Aachen-Stolberger
Raum ein Zentrum des Erzabbaus
(Blei, Zink) und der Metallverhüttung. Die vielen kleinen
Bergwerke im Raum Stolberg wurden jedoch seit Beginn des 19.
Jahrhunderts stillgelegt; die letzten Gruben stellten zu Anfang
dieses Jahrhunderts ihre Förderung ein. Die Messingherstellung
ist seit dem Jahre 150 nachgewiesen. In die Fußstapfen
der Römer traten im 15.Jahrhundert die berühmten Stolberger
Kupfermeister. Christian Prym wanderte um 1642 aus Aachen nach
Stolberg - wohl, weil dort Protestanten geduldet wurden. In Pryms
damaligem Kupferhof entstand Kupfer- und Messinghalbzeug.
Der Messing- und Nadelfabrikant William Prym (1811-1883,
15.Generation der Familie) gab dem heute noch bestehenden Unternehmen seinen Namen. Während sich
Sohn Gustav-Wilhelm (1839-1916) vornehmlich dem Messingwerk widmete,
konzentrierte sich der andere Sohn Heinrich August (1843-1927)
vornehmlich auf die Nadelproduktion. Er war es, der die traditionelle
Handfertigung durch mechanisierte Massenproduktion ersetzte.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Produktion auf die Weiterverarbeitung
von Kurzwaren ausgeweitet. Über die Jahre wurde ein breitgefächertes
Programm für Näh- und Handarbeitszubehör aufgebaut:
Von der Stecknadel über den Druckknopf bis zum Reißverschluss
und zur Stricknadel. Speichen, Ketten, Präzisionsteile für
die Elektronik, stufenlose Getriebe und Spiralspannstifte kamen
hinzu. Heute ist die Firma William Prym-Werke GmbH & Co KG
mit ca. 11.7 Mrd. Stück (entsprechend etwa 1000 t/Jahr)
der größte Stecknadelproduzent der Welt.
Seit 1893 kümmerten sich die Prym-Werke systematisch um
den Export, u.a. durch regelmäßige Bereisung von Europa,
Nord- und Südamerika, Australien, Südafrika, Asien,
Japan, die Straits Settlements und Manila. Um die Jahrhundertwende
wurden Vertriebsgesellschaften in London, USA, Österreich-Ungarn
gegründet. Hinzu kamen Firmengründungen in Deutschland,
Europa und in Übersee. Von besonderer Bedeutung für
die Nadelproduktion war 1925 der Erwerb der Nadelfabrik Friedrich
Hanebeck (?) in Iserlohn.
Trotz intensiver Durchsicht des Firmenarchivs,
des Warenzeichenblattes und der Sprechmaschinenfachliteratur
kann nicht mehr festgestellt werden, wann die Firma Prym die
Produktion von Grammophon-Nadeln aufgenommen hat, die unter dem
Markenzeichen 555 (Blechdosen), Brillantone, Parrot, und 555 (Papierbriefchen) sowie Prym
(Plastikdosen) in den Handel kamen. Das Warenzeichen 555 wurde
schon um 1904 für Patentdruckknöpfe eingeführt.
Das Motiv der Blechdosen - ein Tonarm auf einer Schallplatte
- weist jedoch auf einen späteren Zeitpunkt hin.
Seit 1929 führte das Schwabacher Drei-S-Werk dieses Design
für die neuen (elektrischen) Pick-Up-Nadeln ein. Offenbar
hat es diese Firma versäumt, das Bildzeichen schützen
zu lassen; denn um 1930 brachte auch das H.J. Wenglein Norica
und Herold-Werk (Nürnberg-Schwabacher Nadelfabriken, Nürnberg)
eigene Dosen mit diesem Motiv heraus - und man muss annehmen,
dass auch William Prym dieses eingängige Motiv irgendwann
für die eigenen Dosen nachempfunden hat.
Es ist nicht mit Sicherheit nachzuweisen, dass die Grammophonnadeln
jemals im Werk Stolberg hergestellt wurden. Möglicherweise
entstammen sie dem Produktionsprogramm der Niederlassung in Iserlohn.
Wie dem auch sei: Die Prym-Werke schätzen, dass die Hauptumsätze
nach dem Krieg, etwa Mitte der 50er Jahre, getätigt wurden;
denn in den 60er Jahren wurden die noch vorhandenen Bestände
abverkauft. Die Vertriebsstatistiken weisen bis 1969 noch Grammophonnadel-Umsätze
auf dem Hauptmarkt Südamerika aus. Die Blechdosen-Verpackungen
sind bisher jedoch nur mit Beschriftung in englischer Sprache
bekannt geworden, während alle anderen Verpackungen in Spanisch
beschriftet sind. - Die verschiedenen Verpackungen sind einem
Auszug aus dem Kurzwarenkatalog zu entnehmen (Von Nadel und Dosen
von Rainer E. Lotz, Fox auf 78 Heft xx incl.)
Zu dem Artikel gehören 5 sw-Abbildungen, 2 davon habe ich
durch farbige ersetzt. |