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Don José Domingo Feraud
Guzman, Ecuador
In der südamerikanischen
Hafenstadt Guayaquil in Ecuador arbeitete 1910 ein Jose Domingo
Feraud Guzman als Kassierer. Der junge Senor Feraud war sehr
musikalisch, und so verdiente er sich als Gelegenheitspianist
ein Zubrot. Auch kopierte er die Noten für die örtlichen
Militärmusiken. Zusammen mit seiner Frau begann er noch
im gleichen Jahr in mühsamer Nachtarbeit damit, Notenrollen
für mechanische Klaviere zu punzen. Diese Rollen wurden
unter der Markenbezeichnung "Onix" noch bis in die
30er Jahre in Ecuador und anderen südamerikanischen Ländern
(Kolumbien, Chile, Peru, Venezuela, Argentinien) verkauft. Seit
etwa 1914 verlegte Guzman auf eigene Rechnung auch Kompositionen
von einheimischen Musikern.
Am 25. Juli 1916 verwirklichte Don Jose Guzman den Traum, sich
mit einer Musikalienhandlung - Almacenes de Musica J. D. Feraud
Guzman - selbständig zu machen. Die Firma existiert bis
heute und wird von den Söhnen fortgeführt. 1925 erwarb
Feraud Guzman in den USA Maschinen zur mechanisierten Herstellung
der Onix-Rollen. Etwa zur gleichen Zeit erwarb er das Exklusiv-Recht
zum Import von amerikanischen Columbia-Schallplatten, Bisher
wurde der südamerikanische Markt von Victor kontrolliert;
Sprechmaschinen für 78er-Schallplatten sind dort bis auf
den heutigen Tag als Victrolas bekannt. Victor und Columbia boten
ein umfangreiches Repertoire an südamerikanischer Musik
aus allen Ländern: Polkas, Walzer, Guajiras, Cuecas, Bambucos
etc. - aber keine der ecuadorianischen Pasillos oder Sanjuanitos.
1930 organisierte Feraud Guzman daher die Reise des berühmten
ecuadorianischen Gesangs- und Gitarren-Duetts Enrique Ibanez
& Nicasio Safadi nach New York. Am 4.6.1930 begann eine denkwürdige
Reihe von Aufnahmesitzungen, die sich als außergewöhnlicher
finanzieller Erfolg erweisen sollten - insbesondere der Pasillo
"Guayaquil De Mis Amores" (die veröffentlichte
Version ist übrigens der erste von drei Takes). Alle Platten
wurden auf der US-Columbia 4000-X Grünetikett-Serie herausgebracht.
In den folgenden Jahren, ab etwa 1925, ließ Feraud Guzman
ecuadorianische Künstler in den Studios von Radio Ondas
del Pacifico aufnehmen; aber da es noch keine einheimische Plattenindustrie
gab, mussten die Schellacks in den USA und im Nachbarland Kolumbien
gepresst werden. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Feraud -
um 1946 - auch ein eigenes Plattenpresswerk gründete. Auch
diese Gesellschaft besteht bis auf den heutigen Tag und ist als
Fedisco der Marktführer für LPs. Auch für fremde
Rechnung wurden sehr viele verschiedene Platten mit eigenen Etiketten
gepresst. In der Schellackära blieb die Traditionsmarke
Onix das wichtigste Etikett von J.D.Feraud Guzman.
Es versteht sich von selbst, dass die Musikalienhandlung auch
Sprechmaschinennadeln führte, vor allem Importe der amerikanischen
Marken Victor und Columbia, Daneben waren Importe aus anderen
Ländern, insbesondere Großbritannien und Deutschland
weitverbreitet. Zur Ergänzung des Sortiments an Schallplatten
importierte die Firma seit den 30er Jahren auch Nadeln aus Deutschland,
die nicht anonym, sondern als eigene Hausmarke vertrieben wurden.
Der größte Umsatz entfiel auf die Onix-Nadeln, die in den üblichen verschiedenen Lautstärken
angeboten wurden. Freilich war in allen Dosen die gleiche Nadel,
wie mir der heutige Generaldirektor Francisco Araud Acoca - ein
Sohn des Firmengründers - schmunzelnd gestand . . .

Auch sonst wurde bisweilen auf Latino-Art etwas gemogelt: Die
Dosen der Marke Orion-Nadeln tragen auf der Rückseite
ungeniert den Hinweis "Fabricado en el Ecuador". Bis
auf den heutigen Tag gibt es in Ecuador kein Stahlwerk und keinen
Nadler - alle Nadeln müssen importiert werden. Die Onix-
und Orion-Nadeln stammten aus Deutschland.
Mit dem Übergang von Schellacks zu den modernen Langspielplatten
wurden die damals unverkäuflichen Restbestände an Nadeln
als Ladenhüter auf den Müll gekarrt. Heute führt
der Laden wieder- übrigens als einziger in Ecuador - aus
den USA importierte Bagshaw's Brilliantone Extra Loud ...
Quelle: Von Nadel und Dosen von Rainer E. Lotz, Fox auf 78 Heft
xx Folge 8
Zu dem Artikel gehört
auch eine "Selmer Nadeln", die ich wegen nicht dokumentiertem
Bezug weggelassen habe. |