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Carl Wenglein (1882 1935) Carl Wenglein wurde am 16.11.1882 in Nürnberg geboren, wo sein Vater Heinrich Josef Wenglein in der Glockenhofstrasse eine Nadelfabrik (Norica-Werk) betrieb. Nach Schulzeit, Militärdienst und Studium trat er in die väterliche Firma ein, deren alleinige Leitung er bereits 1909 nach dem Tod des Vaters übernahm. Dieser hatte bereits 1902 die Nadelfabrik des Schwabachers Friedrich Herold (Herold-Werk; Rother Strasse/Ecke Angerstrasse) erworben. Carl Wenglein vereinigte beide Firmen 1914 zu den H. J. Wengleins Norica- und Heroldwerke, Nürnberg-Schwabacher Nadelfabriken GmbH und verlegte den Hauptsitz nach Schwabach. Die Werke stellten Nadeln aller Art besonders für den häuslichen Gebrauch, also Näh-, Steck-, Strick-, Häkel- und Rouladen-Nadeln, her. |
![]() Der junge Carl Wenglein als Bergwanderer (um 1910) |
Mit dem Siegeszug des Grammophons begann in den zwanziger Jahren ein ungeahnter Aufschwung der Nadelfabriken. Wenglein erkannte als einer der ersten Nadelfabrikanten den sich neu bietenden Markt mit seinen Chancen und baute das Geschäft mit Grammophonnadeln zielstrebig aus. Wenglein erwies sich dabei nicht nur als guter Marktstratege, sondern auch als äußerst erfolgreicher Werbefachmann. Seine Ideen schienen alle Grenzen zu sprengen. Nicht nur, dass er auf allen Messen und Rundfunkausstellungen mit aufwändig gestalteten Ausstellungsständen präsent war, er ließ auch einen entsprechend mit übergroßen Grammophonnadeln ausstaffierten, beleuchteten Lichtwagen zu Werbezwecken durch das ganze Land fahren Zum neuen Firmenzeichen wurde die Figur eines Herolds erkoren, den Wenglein später zugleich werbewirksam für den Weltbund verwenden konnte. Einprägsame, vom Firmeninhaber selbst verfasste Werbeslogans erhöhten den Bekanntheitsgrad der Marke gleichermaßen wie gedruckte Sammelpostkarten mit Ansichten von Wengleins Fabriken, Privat-Liegenschaften und Naturschutzanlagen. In seinen Fabriken gab es keinen Dachfirst und keine Außenwand, die nicht mit Aufschriften oder Werbetafeln versehen worden waren. Herold-Grammophon- Nadeln traten schnell ihren Siegeszug um die ganze Welt an; sie waren in den USA genauso bekannt und geschätzt wie in China, in Argentinien genauso wie in Australien. Die Herstellung von Grammophonnadeln erwies sich schnell als Goldgrube, konnte Wenglein doch bei gesteigerter Produktion und verringerten Herstellungskosten infolge |
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modernster Maschinenausstattung enorme Gewinnspannen durchsetzen, von denen heutige Unternehmen nur träumen können. Der Aufschwung der Firma machte Carl Wenglein in kurzer Zeit zum überaus vermögenden Mann. In Anerkennung seiner Verdienste um die industrielle Entwicklung erhielt er 1928 vom bayerischen Staat den Titel eines Kommerzienrats. Wengleins großes finanzielles Engagement für den Naturschutz lässt sich nur vor dem Hintergrund seines durch erfolgreiche unternehmerische Tätigkeit gewonnenen Privatvermögens verstehen. Aber auch in anderen Bereichen erwies er sich Mäzen. Er unterstützte ebenso gemeinnützige wie künstlerische Aktivitäten. Künstler wurden mit Aufträgen zur Ausschmückung seiner Häuser und Villen gefördert. So ließ er im Vorgarten seiner Schwabacher Villa an der Rother Straße einen Brunnen mit der Figur eines häkelnden Mädchens aufstellen. Selbstredend führte das Mädchen seine Handarbeit mit Norica-Häkelnadeln durch! Der Brunnen ging leider wie andere aufwendige Teile der Gartenarchitektur beim Abriss des Anwesens 1972 für immer verloren. Die Anlage seiner Naturschutz-Einrichtungen hatte neben ihrem eigentlichen Ziel auch den Aspekt der Arbeitsbeschaffung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Auf sozialem Gebiet sei die Einrichtung der Liselotte-Wenglein- Stiftung zugunsten des Schwabacher Kinderheims erwähnt, mit der er an seine früh verstorbene Tochter erinnerte. Carl Wenglein war verheiratet mit Helene, geb. Sebald, die ebenfalls aus einer Unternehmerfamilie stammte. Die Familie Sebald betrieb bei Hartmannshof im Hersbrucker Jura große Steinbrüche. Durch diese Beziehung dürfte Wengleins Liebe zur Landschaft um Eschenbach geweckt worden sein, besaß doch die Familie Sebald dort ein großes Anwesen und mehrere Grundstücke. Das Haus in Eschenbach, von Wenglein zur Villa umgebaut, wurde bald zu dem von ihm geliebten und an den Wochenenden und im Sommer gerne bewohnten Refugium. Wengleins Familienleben verlief nicht ungetrübt. Seine seit langem kränkliche Tochter Liselotte, das einzige Kind der Eheleute, verstarb früh mit 21 Jahren. Carl Wenglein selbst starb relativ früh im Alter von 52 Jahren. Er liegt auf dem Johannisfriedhof in Nürnberg begraben. Helene Wenglein überlebte ihren Mann um 37 Jahre. Als Witwe war ihr allerdings kein sehr glückliches Leben mehr beschieden. Infolge des Niedergangs der Firma sowie damit verbundener Vermögensverluste nach dem 2. Weltkrieg verarmte sie zusehends. Die Fabrik wurde 1953 vom Konkurrenzunternehmen 3-S-Werk übernommen und stillgelegt. |
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